Veranstaltungs-Archiv ab Januar 2014

Im Wilhelm13 zuhause

Kleine Mitgliederversammlung – der Vorstand des Alluviums im Auto. Foto: Anja Wockenfuß

Der Jazzclub Alluvium 1502 e. V.

Von Torsten Wurmbach

Einst erblickte ein Jazzclub im 1502 erbauten Keller des Degode-Hauses die Lichter der Stadt, dann – inzwischen hatte er auch seinen Namen erhalten – lebte er in einem Keller in der Zeughausstraße, wurde dort erwachsen, war dann jahrelang obdachlos – um die 50 kein leichtes Schicksal – wohnt nun aber seit über vier Jahren in einer Vierer-WG in einem schick renovierten 99 Jahre alten Bau, dem „Wilhelm13“, zusammen mit drei anderen Veranstaltern.

Doch wo ist bloß das Wilhelm13? Erst in der „Wilhelmstraße 13“, seit letztem Jahr nach deren Umbenennung in der „Leo-Trepp-Straße 13“. Übrigens hieß das „Wilhelm13“ früher mal „Theater Laboratorium“. Das ist aber vor gut vier Jahren in eine Parallelstraße umgezogen. Verwirrend? Kein Wunder! Oldenburger Jazzfans brauchen also für den Erstkontakt entweder Insiderwissen, Internet oder zumindest ein aktuelles Navi. Schlecht vorbereitete Auswärtige haben da kaum eine Chance. Oder sie entdecken das Wilhelm13 eher zufällig auf der Suche nach dem neuen „Theater Laboratorium“.

Das Alluvium als Jazzfamilie
– im Zentrum die Jazzsession

Mit 55 Jahren ist der Jazzclub Alluvium ein Mehrgenerationenclub geworden. Die jungen Jazzer von damals spielen zum Teil noch heute, und daneben stehen jetzt auch noch ihre musikalischen Enkel auf der Bühne. Im regen Austausch mit der städtischen Musikschule und der Universität Oldenburg hat der Jazzclub Generationen von Nachwuchstalenten regelmäßig ein Podium geboten. Unzählige Jazzgrößen als auch viele Vertreter der sehr regen heimischen Jazzszene sind hier aufgetreten. Durch ein ausgewogenes Programm gelingt es immer wieder, verschiedenste Altersgruppen anzusprechen.

Ganz regelmäßig erfolgreich ist die Jazzsession des Jazzclub Alluvium und der Jazzmusikerinitiative Oldenburg unter der Leitung von Jörn Anders. Sie findet verlässlich an jedem dritten Donnerstag des Monats statt. Jazzbegeisterte haben dadurch im Wilhelm13 bei freiem Eintritt eine ideale Gelegenheit, um spannende Musik zu hören, selbst zu spielen, sich auszutauschen und einen Überblick über die nordwestdeutsche Jazzszene zu bekommen. Um 20 Uhr beginnt das erste Set mit wechselnden Besetzungen aus Profi-Jazzmusikern, immer häufiger bereichert durch Kollegen aus dem niederländischen Groningen. Danach heißt es „Bühne frei“ für alle die mit einsteigen möchten. Dieses Angebot ist angesichts des regelmäßig „vollen Hauses“ bei den Oldenburger Jazzfans sehr beliebt.

Der Alluvium-Clubabend – jeden Monat ein anderer DJ

Im Sommer 2013 meldete sich ein Uwe Tiedemann beim Alluvium, um sich für ein Konzert Karten reservieren zu lassen. Es zeigte sich, dass er leidenschaftlich Schelllackplatten mit dem Schwerpunkt Jazz sammelt. Er war auf Nachfrage sogar bereit, im Wilhelm13 seine Platten einem Publikum vorzustellen. Am 30. Januar 2014 war es schließlich so weit. Beim 1. Clubabend legte Uwe W. Tiedemann Schelllack-Swing-Platten aus den 30er- und 40er-Jahren auf, abgespielt mit einem „modernen“ Diamant-Tonabnehmersystem. Doch auch ein rein mechanisches Koffer-Grammophon ertönte. Bis zu 50 Jazzbegeisterte ließen sich ihr Bier schmecken und probierten selbstgemachten Zwiebelkuchen mit Endiviensalat, die Nordwest-Zeitung hatte einen Reporter geschickt, die Künstlerin Anja Wockenfuß machte Fotos und Alluvium-Urgesteine wie Max Steffens und Charly Ahlers schauten vorbei. Es stimmte einfach alles!

Am 13. Februar fand der 2. Clubabend statt. Olli Herbolzheimer legte auf. Das Ensemblemitglied des bekannten Oldenburger A-Capella-Chors „jaco de museo“ kam durch seinen Vater Peter Herbolzheimer schon früh in Kontakt mit hochkarätigem Jazz. Als seine erste musikalische Erinnerung legte er allerdings eine Instrumentalfassung der Westside-Story auf, als Abschluss seine aktuelle Lieblings-CD – das neue Album von Sting. Dazwischen gab es Schnittchen mit selbstgemachtem Aufstrich, „Mutti’s Kartoffelsalat“, aber auch wirklich jede Menge tollen Jazz!!! Von Swing mit Sinatra, Nat King Cole und Bing Crosby über lyrische Töne von Chet Baker, Funk von Tower Of Power bis hin zu Jazzrock von Kraan inkl. Exkursen in die Pop- und Rockabteilung reiste er gemeinsam mit den Zuhörern in seine musikalische Vergangenheit und wieder zurück. Seine trockenen Kommentare waren denen eines Radiomoderators würdig. Abschließend sei noch die neu erstellte Webseite www.jazzclub-alluvium.de mit dem aktuellen Programm und unter anderem weiteren Fotos von Anja Wockenfuß erwähnt. Übrigens finden Sie dort auch eine Wegbeschreibung.

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