Jazzclub Alluvium

Ed Kröger Quintett

Samstag, 11. Mai 2019 um 20:00 Uhr — Wilhelm13

Auch aus dem Ed Kröger Quintett ist im Laufe der Jahre eine – im besten Sinne des Wortes – musikalische Familie geworden, die drei Generationen vereint und ihre Stärke aus den Unterschieden ihrer Mitglieder schöpft und so eines der spannendsten und virtuosesten Ensembles bildet, die in der Tradition des Hardbop stehen.
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„Der Titel steht für das, was in der Improvisation passiert. Dass man in jedem Moment versucht, etwas kreativ zu gestalten. Das ist eine ständige Herausforderung beim Spielen.“

Dieses Zitat von Ed Kröger erklärt sowohl den Titel seines aktuellen Albums „In the Moment“ als auch die musikalische Philosophie des Bremer Posaunisten und Komponisten. Das Quintett mit seinem Sohn Ignaz Dinné (Tenorsaxofon), Rick Hollander (Schlagzeug), Vincent Bourgeyx (Klavier) und Tom Berkmann (Kontrabass) gehört zu den spannendsten und virtuosesten Ensembles, die in der US-amerikanischen Tradition des Hardbop stehen. Mit ihren Kompositionen verleihen Kröger und Dinné dem Sound des Quintetts eine eigene, unverwechselbare Farbe. Dabei ist die Ausgangslage für Bandleader Kröger klar: „Das Time-Spiel, die Changes und das Interplay zwischen Bläsern und Rhythmusgruppe sind für mich unverzichtbare Grundzutaten des Musizierens.“

„In the Moment“ ist eine Momentaufnahme, die die musikalische Entwicklung der Band dokumentiert. Die meisten Ensemble-Mitglieder spielen schon seit mehr als zehn, einige sogar schon seit rund 20 Jahren miteinander. „Auf der zurückliegenden Tour haben wir neues Material ausprobiert, was uns zahlreiche stimmungsvolle und unvergessene Momente bescherte. Von diesem Band-Spirit wollten wir so viel wie möglich ins Studio retten“, blickt Kröger auf die Aufnahmen zurück. Aus Sicht des Bandleaders hat sich vor allem die Rhythmusgruppe deutlich weiterentwickelt.

Hier vereint der Pianist Vincent Bourgeyx brillante Improvisationsgabe mit einer seltenen Balance aus technischer Meisterschaft und musikalischer Kreativität. Auch der neue Bassist Tom Berkmann fügt sich mit seinem erdbezogenen Sound perfekt in die hochkarätige Rhythmusgruppe ein, die durch Rick Hollander komplettiert wird. „Rick ist der Motor des Ensembles, der mit seiner Energie und Initiative die Musik entscheidend mitgestaltet. Ich fühle mich durch ihn enorm inspiriert, weil er immer wieder neue Ideen für die Improvisationen liefert“, erklärt Saxofonist Dinné die Funktion des Drummers.

Seine Aussage verdeutlicht, dass das Ed Kröger Quintett wie eine Art Klanglabor funktioniert, in dem jeder die Ideen des anderen musikalisch weiterentwickeln kann. Ein Prinzip, das sich an Songs wie „NAJA“ gut erkennen lässt. „Der Song war fertig, er funktionierte aber noch nicht so, wie ich mir erhofft hatte. Also dachte ich: na ja, das ist dann eben so und reichte die Komposition an unseren Pianisten Vincent weiter, der sie mit seinen Ideen verfeinerte.“

„Changes“ nimmt dagegen Bezug auf einen musikalischen Schatz, der erst kürzlich aus den Tiefen der Archive gehoben werden konnte. 1983 hatte Ed Kröger mit dem Hardbop-Quintett „Changes“ ein Album in Köln eingespielt, das lange als verschollen galt. Bis sich herausstellte, dass Bassist Detlev Beier Aufnahmen der legendären Sessions besaß. „Ihm haben wir dieses Stück gewidmet, weil er im vergangenen Jahr verstorben ist“, erklärt Kröger. Neben den sieben Eigenkompositionen (vier aus der Feder von Kröger, drei von Dinné) hat das Ensemble auch eine Komposition des Saxofonisten Eric Dolphy eingespielt. „245“ ist ein langsamer Blues, eine musikalische Reminiszenz an ein Haus in Brooklyn, das einst Slide Hampton gemietet hatte. In diesem Haus mit der Nummer 245 wohnten neben Dolphy noch andere Musiker in einer Art Kollektiv.

Auch aus dem Ed Kröger Quintett ist im Laufe der Jahre eine – im besten Sinne des Wortes – musikalische Familie geworden, die drei Generationen vereint und ihre Stärke aus den Unterschieden ihrer Mitglieder schöpft. So kann Bandleader Kröger (Jahrgang 1943) auf mehr als 50 Jahre Bühnenerfahrung zurückblicken, während sich Dinné (Jahrgang 1971) durch Studienjahre in Boston und New York den kompositorischen und solistischen Feinschliff holte – bei Musikern wie Ron Carter, Herbie Hancock, Wayne Shorter und Wynton Marsalis.

„Ich bewundere, mit welcher Leidenschaft Ed die Band künstlerisch, vor allem aber auch menschlich leitet“, beschreibt Dinné die besondere Chemie in dem Quintett, in dem er den Wohlfühlfaktor als hoch, der Stresslevel dafür als umso niedriger empfindet. „Musik bedeutet für meinen Vater nicht einfach nur, ein Instrument zu spielen, sondern Musik ist für ihn ein Lebensgefühl – auf und außerhalb der Bühne“.

Dieses Lebensgefühl äußert sich zum Beispiel dadurch, dass Kröger großen Wert darauf legt, dass die Bandmitglieder viel Zeit miteinander verbringen, wenn sie auf Tour sind. Dem gemeinsamen Essen schließt sich in der Regel das Einspielen direkt vor Ort an. „Das hat den Vorteil, dass wir schon eingegrooved sind, bevor wir auf die Bühne gehen“, schmunzelt Dinné.