Geschichte des Alluvium

Die Geschichte des Jazzclub Alluvium 1502 e.V.

Die Gründung des Jazzclubs Alluvium verdankt sich einem Zufall. 1958 bekamen Schüler in der Schule die Aufgabe zu erkunden, welches das älteste Gebäude der Stadt sei. Dabei kam man auf das 1502 gebaute Degodehaus. Bei der Besichtigung entdeckte man die atmosphärischen Kellerräume des Hauses und die Schüler beschlossen an diesem Ort Jazz anzusiedeln. Denn Jazz fand zu dieser Zeit in den Kellern der Großstädte statt. Nach einem Gespräch mit Herrn Degode, der die Räume zur Verfügung stellte, gründeten die Schüler den „Jazzclub 1502 e.V.“.

Der Verein stand unter der Aufsicht des Jugendamtes mit den Folgen, dass kein Alkohol ausgeschenkt werden durfte und er nur samstags von 20 bis 23 Uhr geöffnet wurde. Trotzdem fand sich sehr schnell ein Publikum ein, das Abwechslung zu den eingefahrenen Tanzveranstaltungen dieser Zeit beim Sound der Flower Street Jazzband und der Stau Stompers suchte. 1960 wurde der Club jedoch aus feuerpolizeilichen Gründen geschlossen. (Es wurde auch gemunkelt, dass die Innenstadtwirte die Schließung des Clubs unterstützten, da sie immer mehr Jugendliche am Wochenende an den Jazzclub verloren)

So zog der Club nach einigem Suchen in die ehemalig Kaserne, heute das Gebäude der Berufsschule, in der Zeughausstraße 73. Für die neue Innenraumgestaltung sorgt Klaus Beilstein, der mit dem Club in vieler Hinsicht verbunden war. Er entwirft auch LORD JAZZEWITZ, das Club-Emblem. Da durch dem Umzug in die Zeughausstraße der Club eine Erdschicht aufgestiegen war- vom Keller in das Parterre- also in die jüngste Erdschicht, das Alluvium, bekam der Verein den Zusatz „Alluvium“. Fortan drängten sich die Jugendlichen am Wochenende in drückender Enge, ohne Ventilator, dafür mit Kanonenofen in den Katakomben des neuen Domizils und machten den „Jazzclub Alluvium 1502“ zum Kult. Wer etwas auf sich hielt, der ging ins Alluvium. Selbst am Donnerstag als die Bands nur probten war der Laden voll. Eine schöne Idee zu dieser Zeit war auch, dass Mitglieder eine Aufnahmeprüfung bestehen mussten, die aus dem Beantworten einiger Jazzbezogener Fragen besteht.

Und immer öfter fanden nun auch internationale Größen und Pioniere des Jazz den Weg ins Alluvium, unter ihnen Carla Bley, Dave Pike Set, Michael Sagmeister und Peter Brötzmann.
Probleme bekam der Club erst mit dem Aufkommen der Beat-Welle. Jazz war nicht länger die Musik der rebellischen Jugend, und man war gezwungen, donnerstags Rockkonzerte zu veranstalten, um samstags weiter namhafte Jazzkonzerte präsentieren zu können.

Gleichzeitig veränderte sich schrittweise die Organisationsebene und die ursprünglichen Mitglieder wurden zunehmend durch jüngere ersetzt. Außerdem änderte sich die Zusammensetzung der Aktiven. Im Gegensatz zu den Anfängen sind heute kaum noch Musiker aktiv dabei. Was blieb war die Ehrenamtlichkeit und das Engagement der Mitglieder, was auch bis heute durchgehalten wird. Und so kann auch heute noch, in Zeiten knapper Kassen, der Jazzclub Alluvium hochkarätige Konzerte zu sehr günstigen Eintrittspreisen anbieten.

Nach den etwas flauen 80ern bekommt der Jazzclub eine neue Chance: Die Disco-Veranstaltungen des Alhambras finden nun im Jazzclub statt. Ein Brand hatte das Alhambra-Gebäude zerstört. In diese Zeit fallen Konzerte unter anderem mit Pete York, Luther Allison und James Blood Ulmer, die Kölner Saxophon Mafia.

Regionale Musiker starteten im Alluvium ihre Karrieren: Der Pianist Klaus Ignatzek, der Vibraphonist Florian Poser, der Bassist Ede Brumund-Rüther und Chris Jarrett.

Mit der „Just Jazz“-Reihe, die in Zusammenarbeit mit der Stadt initiiert wird, können Acts wie Oregon, Herbie Hancock, John Abercrombie, Charles Lloyd, Taj Mahal und Snowy White nach Oldenburg geholt werden.

Mit dem Generationswechsel öffnet sich der Club in den Neunziger Jahren für neue Einflüsse: Experimentelle Bands wie die Franck Band, Der rote Bereich, Embryo, Wolfram Huschke und Susan Weinert spielen im Club, neue Veranstaltungsreihen wie Weltmusik-Nacht, Industrial-Konzerte, Slam Poetry, NewForms und Advanced Electronics Parties und eine eigene Jazz & Rock-Session werden eingerichtet. Auch Punk- und Independent-Bands treten im Alluvium auf. Ebenso erweitern Grenzgänger zwischen Jazz, Pop und anderen Stilrichtungen wie Lisa Bassenge, tok tok tok, Das dritte Ohr,, Quadro Nuevo und Be Mine Or Run das musikalische Spektrum.

Das Angebot des Jazzclubs hat sich seit den Anfängen stark verbreitert. Neben den „klassischen“ Jazzkonzerten kamen regionale Jazz- und Rockkonzerte dazu. Die Weltmusik ist mittlerweile ein wichtiges Standbein des Clubs und elektronische Klänge hört man immer wieder. Samstags wurden verschiedene Partyformate, wie der „Musikabend“ , die „Welt-Tanz-Nacht“ und die „New Forms“-Party etabliert. Auch die Literatur hat in Form des Poetry-Slam Einzug erhalten, ebenso die Kleinkunst als „After-Eight-Varieté“.

2003 gab es wieder einen Schnitt. Der Jazzclub musste aus den Räumen in der Zeughausstraße ausziehen, da das Gebäude renoviert werden sollte. Obwohl er die meisten Veranstaltungen in den Räumen des Cadillac veranstaltet führt er dennoch, als „Alluvium woanders“, eine Art Nomadenleben. Dabei ist er gezwungen seine Konzerte, Partys, etc. an verschiedenen Orten in Oldenburg zu präsentieren. Dies hat starke Auswirkung auf die Arbeit des Clubs. Eine Konsequenz war, dass der Umfang des Programms drastisch reduzieren werden musste. Hinzu kommt der chronische Mangel an aktiven Mitgliedern. Und wie so häufig in der Geschichte des Jazzclubs wird die ganze Arbeit von einigen wenigen Menschen organisiert und getan.

Wir sind dennoch optimistisch, dass der „Jazzclub Alluvium 1502 e.V.“, der nun schon seit über 50 Jahren ehrenamtlich(!) arbeitet und die Musikkultur in Oldenburg und der Region bereichert, weiterhin seinen Weg geht: Wir werden weiterhin um neue eigene Räume kämpfen, wir werden weiterhin um interessierte und musikbegeisterte Menschen werben, wir werden weiterhin anspruchsvolle Veranstaltungen und Konzerte, besonders aus dem Jazzbereich, präsentieren, um unseren Gästen abseits von Mainstream und Kommerz Hochwertiges zu bieten und somit, wie schon in der Vergangenheit, allen Schwierigkeiten zum Trotz den Club weiterhin als einen besonderen Ort zu erhalten.